Wanderung von Serrara nach Sant Angelo

Auf dieser Route bekommen Sie eine „Bella Vista“ über Sant Angelo und auf die Inseln um Ischia.

Weglänge: 2,3 km Gehzeit: 1,5 h

Die ca. eineinhalbstündige Wanderung von Serrara nach Sant' Angelo führt Sie zu einem Weg, der an interessanten Gesteinsformationen und Weinfeldern angrenzt und weiterhin durch die schöne autofreie Stadt Sant' Angelo führt. Geographisch befinden wir uns im Süden der Insel Ischia. Die Wanderung kann auch in die andere Richtung von Sant' Angelo nach Serrara erfolgen und ist bei Menschen mit Knieproblemen zu empfehlen.

Sie stehen an der Bushaltestelle in Serrara (Start) mit einem tollen Blick aufs Meer und runter auf Sant' Angelo. Etwa 33 km entfernt von Ischia können Sie bei guter Sicht die Kalkstein-Insel Capri erkennen. In der Bar „Floreana“ können Sie zum Start einen Kaffee trinken. Gegenüber von der Kirche „Maria del Carmine“ (WP 1) führt ein Asphaltweg die Straße hinab. Dort gehen Sie runter bis Sie zu einer Weggabelung kommen (Abbildung 2), bei der Sie die unscheinbare Treppe (WP 2) nehmen.

Sie befinden sich nun auf dem schön ausgebauten Weg nach Sant' Angelo. Sie schauen nach rechts und sehen mehrere Buchten (WP 3) entlang der Küstenlinie. Von Osten nach Westen bzw. von Ihnen zuerst aufgezählt ist Cava Grado, dann folgt die Sorgeto Bucht mit ihrem Thermalwasseraustritt ins Meer, als nächstes die Pelara Bucht, dahinter kommt Scannella und als letztes ist die Bergspitze Punta Imperatore mit dem nördlich davon liegenden Citara Strand zu sehen. Bei guter Sicht können Sie auch im Westen die Pontinischen Inseln sehen, die etwa 50 km bzw. 70 km Luftlinie entfernt liegen.

Wandern Sie weiter entlang des Weges. Seien Sie stets achtsam auf die Mauern sowie auf die Gesteinswände rechts und links von Ihnen. Die Gesteinsschichtungen sind durch unterschiedliche Eruptionsphasen von Vulkanen entstanden. Die pyroklastischen Ablagerungen spiegeln das Gelände zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs wieder. Die Gesteine, die durch den Weganschnitt gut aufgeschlossen sind, sind vorwiegend Tuff, Tuffit und Bims.

Dazu ein kleiner Exkurs: Vulkane entstehen an Bruchlinien bzw. Schwachstellen in der Erdkruste an denen Magma aufsteigen kann und als Lava an der Erdoberfläche ruhig herausfließen kann und zu vulkanischen Gesteinen in mächtigen Lavaströmen erstarrt. Ebenso kann Magma bei einer explosiven Eruption herausgeschleudert werden. Bei gasreichen Magmen werden die Gase bei der Vulkaneruption an der Luft freigesetzt und dehnen sich aus. Durch rasches Abkühlen des Magmas in der Luft erstarrt das Gestein. Die Hohlräume der Gase bleiben erhalten, die Gase selbst entweichen. Sie verleihen dem Gestein ein poröses Aussehen. Dieser Bimsstein ist extrem leicht und kann auf Wasser schwimmen. Weiterhin sehen Sie ein helles, feinkörniges Gestein: Tuffstein. Dies sind verfestigte pyroklastische Ablagerungen von verschiedenen Korngrößen, die nach einer Vulkaneruption abgelagert werden. Wenn diese Ablagerungen nun umgelagert bzw. transportiert werden und mit aquatischen Ablagerungen in Kontakt kommen, werden sie als Tuffite bezeichnet. Sie sehen rechts von Ihnen im Gelände die verschiedenen Tuffsteine mit unterschiedlichen Färbungen (WP 4). Die unterschiedlichen Färbungen entstanden durch unterschiedliche Ablagerungszeiträume, sodass sie jeweils einen anderen Chemismus haben. Zuerst wurde der grüne Tuff abgelagert, dann der rötliche und schließlich der gelbliche Tuff. Der grüne Epomeo-Tuff entstand vor 72.000- 83.000 Jahren in der Riss-Würm-Eiszeit. Damals war die heutige Epomeo-Schicht flach und horizontal gelagert und lag ca. 200 m unter dem Meeresspiegel. Der Tuff erhielt seine signifikante Farbe durch ein eisenreiches Schichtsilikat. Dann kam es zur explosiven Eruption in der der extrusive Dom entstand, der heute die Halbinsel von Sant' Angelo bildet. Folglich, durch die Hebung Ischias durch erneute Magmazufuhr von unten, kam es dazu, dass der Epomeo-Tuff aufgearbeitet wurde und als Tuffit resedimentiert wurde. Danach kam es zur Ablagerung der roten Trachyt-Brekzie durch mehrere Ausbruchzentren und zum Schluss vor etwa 20.000-30.000 Jahren wurde der gelbliche Serrara-Citara-Tuff abgelagert. Sie sehen links und rechts am Weg Gesteinsschichten mit Schräglagen (Abbildung 5) (WP 5), die Sie bis nach Sant' Angelo verfolgen können. An manchen Aufschlüssen ist zu erkennen, dass die Schräglage nach oben hin, also zu den jüngeren Schichten hin abnimmt (Abbildung 6). Dieses kommt daher, dass eine Schräglage bei einem Winkel von 40° instabil wird und ein Teil nach unten abrollt. Somit wird der Winkel nach unten hin flacher. Sie schauen hinter sich auf die Landschaft und sehen Erdspalten (WP 6), die bis zum Meer verfolgt werden können, wobei sie immer breiter werden. Das sind Bruchlinien in der Erdkruste. An solchen Bruchlinien kann Regenwasser und Meerwasser nach unten in die Nähe der Magmakammersickern, Minerale und Gase mitnehmen und als Thermalwasser wiederaufsteigen.

Am Weg entdecken Sie gleiche Häuser, die als Wasserreservoir gedient haben. Sie kommen dem Ort Sant' Angelo immer näher, indem Sie nach und nach mehr Häuser am Wegrand finden. Bei genauerer Betrachtung der Gesteinswände sehen Sie, dass diese ausschauen wie kleine spitze Pyramiden. Das rührt daher, dass dort die Erdpyramiden-Verwitterung stattfindet. Diese kegelförmige Verwitterung entsteht dadurch, dass ein aufliegender Gesteinsblock die Erdschichten unter ihm vor Abtragung und Auswaschung durch Regenwasser schützt. Sie gelangen zu den Weinstöcken von Sant' Angelo (WP 7). Links von Ihnen befindet sich der ca. 2 km lange Maronti-Strand (Abbildung 7). Wegen der Abschottung von neuer Schutt-Lieferung beispielsweise dem Epomeo-Tuff, der dann nach und nach zu Sand abgeschliffen wird und der Abtragung des Sandes vom Meer und Wind, wird der Maronti-Strand immer schmaler. In Sant' Angelo angekommen gibt es eine Weggabelung (WP 8), wo Sie weiter geradeaus zum Endpunkt „Cava Grado“ gehen. Der Abzweig nach rechts führt Sie dagegen zum Maronti-Strand.

Sie folgen dem Weg, der an der Kirche von San Michele (WP 9) vorbeiführt, und gehen bei der zweiten Weggabelung weiter geradeaus.

Sie schauen nach unten auf die Dächer von Sant‘ Angelo (WP 10). Vor Ihnen befindet sich der Schlackenkegel, ein extrusiver Dom, als Halbinsel von Sant‘ Angelo, der entlang einer Bruchlinie gebildet wurde, die die Insel Ischia in zwei Abschnitte teilt. Im Meer befinden sich Wellenbrecher, die die Küste vor Wellenschlag schützen.

Wandern Sie weiter bis nach Cava Grado, wo sich auch ein Buswendeplatz (Ende) befindet. Dafür müssen Sie den Weg folgen und kommen dann auf eine Asphaltstraße, die an der Küstenlinie entlang verläuft. Insider Tipp: Am Ziel angekommen können Sie dort einen frisch gepressten Orangensaft genießen, bestellen Sie einfach die „Bombe“ bei Erzino.

Sie haben nun die Wanderung beendet. Mit einem „Bella Vista“ über Sant' Angelo hat der Weg angefangen und hat Sie dann an geologischen Gesteinsformationen, Pyramiden-Verwitterung und schließlich durch das autofreie Sant' Angelo geführt. Sie konnten die schöne Südseite der Insel mit seinem 2 km langen Maronti-Strand und der Halbinsel als Schlackenkegel, welcher sich vor Sant' Angelo aufgerichtet hat, entdecken und haben dabei ca. 400 Höhenmeter überwunden.

Wenn Sie mehr über die Entstehung der Insel Ischia, der Vulkane und des Thermalwassers erfahren wollen, schließen Sie sich einer geführten Wanderung mit dem Geologen Aniello Di Iorio an. Weitere Informationen zu unserem Ausflugsprogramm finden Sie auf eurogeopark.com. »

Hinweis: Höhenprofil, gpx-Datei und weitere Infos erhalten Sie per Email.

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